Entwicklung der Schrottpreise – Luft nach oben?

Schrottpreise

Wagt man eine Prognose über die zu erwartende Entwicklung der Schrottpreise, ist es notwendig, die Marktgegebenheiten und deren Umfeld ein wenig näher zu betrachten. Tatsächlich wurden die gebräuchlichsten Schrottmetalle auch im Jahre 2015 wiederum niedriger notiert; nicht zuletzt wegen des Börsencrashs und der Abwertung der Landeswährung in China brachen die Preise für alle notierten Rohstoffe – auch für Eisenerz - auf breiter Front ein.

Wie ist diese Situation nun einzuschätzen, handelt es sich um ein Allzeittief oder sind Veränderungen zu erwarten?

 

In der Vergangenheit, in den ersten Jahren nach der Jahrtausendwende, war Eisenerz noch deutlich billiger als zur Zeit, der Preis für eine Tonne lag teilweise unter 20 US-Dollar, analog  und entsprechend dazu wurde Schrott vergleichsweise niedrig notiert. Dennoch hätte man für eine Tonne Schrott des Jahres 2015 Mitte der 1990er Jahre noch eine Tonne Walzdraht erhalten.

China verändert den Markt

Die grundlegende Veränderung auf dem Preissektor begann im Jahre 2004 als Folge der rasanten Steigerung der Rohstahlerzeugung – Verachtfachung in den Jahren 2000 bis 2015 – in China und erreichte Ihre vorläufige Spitze im Jahre 2008. Zeitweise herrschte Mangel an Eisenerz und Schrott, wodurch die Preise in die Höhe getrieben wurden. Auszugehen war nun von einer 25%igen Steigerung der Weltstahlproduktion in diesem Zeitraum, während  vorher lange Jahre die Produktionszahlen in etwa gleich geblieben waren.

 

Als diese Entwicklung im Jahre 2004 offenkundig geworden war und Vorausplanungen über die Menge des benötigten Rohstahls innerhalb der nächsten Dekade durchgeführt werden konnten, entschloss man sich bei den maßgeblichen internationalen Eisenerzproduzenten zu umfangreichen Investitionen in die Erweiterung der Minenförderung. Dies beinhaltete enorme logistische Aufgaben hinsichtlich der Erkundung und Planung, für die ein Zeitraum von mindestens fünf Jahren als Vorbereitungsphase zu berücksichtigen war. Falls sich etwa in verkehrstechnischer oder auch in ökologischer Hinsicht außerordentliche Schwierigkeiten auftaten, war es nicht selten, das sieben bis acht Jahre ins Land gingen, bevor eine neue Mine eröffnet werden konnte.

Erhöhte Kosten

Diese Ausweitung der Investitionen waren nur bei angemessenen Erzpreisen möglich, denn wie die kalkulatorische Erfahrung zeigt, „rechnet“ sich die Förderung sehr oft erst ab einer Notierung von ca. 70 US-Dollar pro Tonne. Das benötigte Niveau erschien im genannten Zeitraum stabil. Auf Grund des Booms hatte auch der Schrottpreis kräftig angezogen und erreichte seinen vorläufigen Höhepunkt im Jahre 2008, obwohl China dafür als Hauptabnehmer nicht in Frage kam, da man dort die Stahlproduktion mittels klassischer Hochöfen bevorzugt. Im Gegensatz zu den Edelstahlwerken in den westlichen Ländern kann bei diesem „Oxygenverfahren“ Schrott nur zu einem geringen Teil mit eingebracht werden.

 

Inzwischen hat sich nun doch gezeigt, dass trotz intensiver Planung bei der Eisenerzförderung Überkapazitäten entstanden sind, die Nachfrage für die Stahlproduktion liegt unter der dafür bereitgestellten Menge. Ein Grund für diese Fehleinschätzung liegt in der beschriebenen langen Vorlaufzeit von der Planung bis zur Fertigstellung einer Eisenerzmine. Man wird mit dieser Lage leben müssen und können, da ein zeitweiliges und vorübergehendes Überangebot auch bei anderen Metallen vorkommt, vor allem wenn durch sogenannte Sprunginvestitionen recht spontan auf einen vermeintlichen Mangel reagiert wurde. 

 

Gemäß der Prognose mehrerer Forschungsinstitute wird das momentane Angebotsvolumen (nach Angaben der Deutschen Industriebank etwa. 2 Milliarden Tonnen Eisenerz) spätestens 2025 benötigt werden; danach ist wegen zu erwartender Produktionsteigerungen von einem Mehrbedarf auszugehen.

 

Hier muss nun allerdings die bereits angesprochene Frage der Rentabilität ins Kalkül mit einbezogen werden: Minen, die sich um die Jahrtausendwende bei einem Tonnenpreis um die 20 US-Dollar noch „rechneten“, sind wegen der stark veränderten Preissituation nicht mehr profitabel, Förderkapazitäten teilweise erschöpft, was den Kostendruck weiter verschärft. Diese Tatsache kann möglicherweise zu (zumindest vorübergehenden) Stilllegungen zwingen oder dergestalt zu einer Marktbereinigung führen, dass nur wenige Großunternehmen überleben werden. Zusammenfassend sei nochmals erwähnt, dass neue Minen mindestens einen Tonnenpreis von 50 US-Dollar brauchen, um auf dem Markt bestehen zu können. Im Vergleich zur Jahresmitte 2015 müßte der Preis mindestens um 15 US-Dollar höher liegen.

 

Mit dem Einbruch der Eisenerzpreise sowohl bei den langfristigen Geschäften als auch an den Börsen reduzierten sich zwangsläufig auch die Schrottpreise, wenn auch vergleichsweise weniger drastisch. Dies bekamen besonders die Recyclingunternehmen zu spüren, wie dies am Beispiel  Autoverwertung Bielefeld nachvollzogen werden kann. Verschärft wird diese Situation durch die Handhabung, dass wegen der niedrigen Erzpreise Stahlproduzenten verstärkt DRI (Eisenschwamm) oder Knüppel (Stahlhalbzeug) verwendeten, wobei wiederum China beträchtliche Mengen in die Golfregion und in die Türkei exportierte und die dortigen Märkte auch mit Fertigerzeugnissen versorgte.

 

Durch den Ausfall der Türkei als ehemaliger Großabnehmer für Schrott ergaben sich starke Veränderungen auf dem Schrottmarkt und ein Verfall der Schrottpreise. Sollten die Erzpreise allerdings wieder steigen, könnte sich die Lage wieder ändern, weil die offensive chinesische Exportpolitik sich fatal auf die ehemals angestammten türkischen Märkte auswirkt. Eine derartige Veränderung kann für die nahe Zukunft erwartet werden einschließlich einer Erhöhung der Schrottpreise bei verbesserten Absatzchancen. 

Um diese Ausführungen zusammenzufassen:

Wegen der Rentabilitätsgründe bei der Erschließung von Eisenminen (Tonnenpreis mindestens 50 bis 70  US-Dollar) und der zu erwartenden erhöhten Nachfrage dürfte der Trend der Schrottpreise nach oben gehen – eine Entwicklung die sich bereits abzeichnet.